Warum kleine Entfernungen alles verändern
Slowenien wird oft als klein beschrieben.
Das Wort dient meist der Beruhigung. Man kann in kurzer Zeit viel sehen. Nichts ist zu weit entfernt. Die Entfernungen sind überschaubar.
Doch Skaleneffekte bewirken mehr als nur die Verkürzung der Reisezeit. Sie verändern im Stillen die Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen werden.
Bei kurzen Distanzen fühlt sich Bewegung nicht mehr wie eine Verpflichtung an. Einen Ort zu verlassen, erscheint nicht endgültig. Umzukehren, fühlt sich nicht wie Verschwendung an. Länger zu bleiben, fühlt sich nicht an, als würde man etwas verpassen.
Dadurch wird der Druck reduziert. Und Druck ist es, der normalerweise eine Reise beeinträchtigt.
Die Planung verliert ihre Vormachtstellung
In größeren Ländern dient die Planung dem Schutz. Man legt sich frühzeitig fest, denn Fehler sind teuer. Eine falsche Abzweigung kann einen ganzen Tag kosten. Ein langsamer Start kann sich negativ auf die gesamte Route auswirken.
In Slowenien ist das Risiko geringer.
Du kannst später entscheiden. Du kannst deine Meinung mitten am Tag ändern. Du kannst einen kleineren Weg einschlagen, ohne zu wissen, wohin er führt.
Die Struktur lockert sich, und damit schärft sich die Aufmerksamkeit.
Abstand als Erlaubnis
Kurze Strecken schaffen Freiräume. Freiräume, um früher anzuhalten. Freiräume, um etwas auszulassen, ohne es zu ersetzen. Freiräume, um ohne Plan anzukommen.
Deshalb eignet sich Slowenien so gut für langsames Reisen, ohne dass es Anstrengung oder Disziplin erfordert.
Sie müssen sich nicht selbst verlangsamen. Die Geografie erledigt das für Sie.
Wenn sich Landschaften überschneiden
Da die Regionen dicht beieinander liegen, gehen sie fließend ineinander über. Alpentäler enden nicht abrupt. Weinberge erheben sich allmählich. Wälder erstrecken sich weiter als erwartet.
Übergänge sind häufig, aber sie verlaufen sanft.
Man hat selten das Gefühl, eine Welt verlassen und eine andere betreten zu haben. Stattdessen durchläuft man eine Reihe von Variationen.
Was sich nach ein paar Tagen ändert
Nach ein paar Tagen mit kurzen Reisen ändern sich die Gewohnheiten. Man schaut nicht mehr so oft auf die Karte. Man hört auf, die Haltestellen zu zählen.
Man erinnert sich an Tage weniger wegen dem, was erlebt wurde, sondern vielmehr wegen des Gefühls, das man dabei empfand.
Dann beginnt man, das Land größer zu empfinden, als es tatsächlich ist.
Nicht etwa, weil es mehr zu sehen gäbe, sondern weil mehr Raum wäre, es wahrzunehmen.


